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Warum wir uns manchmal nicht verändern, obwohl wir längst wissen, was wir ändern wollen

vor 2 Tagen
7 Min. Lesezeit

Wie nachhaltige Veränderung gelingen kann – und warum es dafür oft mehr braucht als Verstehen.


Kennst du das?

Du hast eine Verhaltensweise an dir entdeckt, die dich schon länger beschäftigt.

Vielleicht machst du dich immer wieder abhängig von der Meinung anderer Menschen. Vielleicht fällt es dir schwer, Nein zu sagen.

Vielleicht reagierst du in Konflikten schneller gereizt, als du eigentlich möchtest.

Oder du zweifelst immer wieder an dir selbst, obwohl du längst weißt, dass du dazu eigentlich keinen Grund hast.

Und das Verrückte daran?


Du weißt es längst. Du hast es verstanden. Und trotzdem passiert es immer wieder.


Vielleicht hast du schon Bücher darüber gelesen, Podcasts gehört oder dich intensiv mit deiner Vergangenheit beschäftigt. Vielleicht warst du sogar schon in einem Coaching oder einer Psychotherapie.


Und trotzdem gibt es diese Momente, in denen du denkst:

„Warum mache ich das eigentlich immer noch? Ich weiß doch inzwischen so viel über mich!“

Genau darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Ich möchte dich einladen, ein eigenes Verhaltensmuster etwas genauer zu erforschen. Und dir zeigen, warum nachhaltige Veränderung häufig dann leichter wird, wenn wir nicht nur unseren Kopf, sondern auch unsere Gefühle und unseren Körper mit einbeziehen.


1. Welches Muster möchtest du gerne verändern?

Bevor du weiterliest, nimm dir einen kurzen Moment Zeit.

Denk an eine Verhaltensweise, die du gut von dir kennst, die dich aber immer wieder beschäftigt.


Vielleicht etwas, bei dem du schon häufig gedacht hast: „Eigentlich möchte ich in solchen Situationen ganz anders reagieren.“


Frag dich einmal:

  • Welche Verhaltensweise oder welches Muster würde ich gerne verändern?

  • Was habe ich bisher schon alles versucht, um daran etwas zu ändern?

  • Was hat sich durch diese Versuche vielleicht bereits verändert?

  • Und was ist trotz all meiner Bemühungen bisher gleich geblieben?


Nimm dir ruhig etwas Zeit für diese Fragen.

Denn manchmal übersehen wir, was sich bereits entwickelt hat, weil wir vor allem auf das schauen, was noch nicht funktioniert.


Und manchmal erkennen wir dabei auch: Ich habe schon sehr viel verstanden. Aber dieses Verstehen allein hat mein Verhalten noch nicht ausreichend verändert.

Warum das so sein kann, möchte ich dir im nächsten Schritt zeigen.


2. Moderne Persönlichkeitsentwicklung: Warum Kopf und Körper zusammengehören


In meiner Arbeit als Coach und Achtsamkeitslehrer beschäftigt mich seit vielen Jahren eine zentrale Frage:

Was brauchen Menschen eigentlich, damit Veränderung nicht nur im Kopf stattfindet, sondern auch im Alltag spürbar wird?


Ein wichtiger Ansatz dafür ist die Verbindung von sogenannten Top-down- und Bottom-up-Prozessen.

Was sich dahinter verbirgt und wie beide Ansätze zusammenspielen können, erkläre ich dir in diesem kurzen Video.



So funktioniert moderne Persönlichkeitsentwicklung: Top-down und Bottom-up im Coaching.

Vielleicht hast du beim Anschauen schon gemerkt: Es macht einen Unterschied, ob ich ein Verhalten gedanklich verstehe oder ob ich auch wahrnehmen kann, was in dem entscheidenden Moment emotional und körperlich in mir passiert.

Lass uns das an einem Beispiel anschauen.


3. Ein Beispiel: Wenn die Meinung anderer plötzlich wichtiger wird als die eigene


Stell dir Anna vor. Sie ist 34 Jahre alt und beschäftigt sich gerade mit der Frage, ob sie Kinder bekommen möchte.

Eigentlich ist sie sich noch gar nicht sicher, ob sie überhaupt einen Kinderwunsch hat.

Aber in ihrem Freundeskreis verändert sich gerade viel. Immer mehr Freundinnen werden schwanger, bekommen Kinder oder sprechen über ihre Familienplanung.


Und Anna bemerkt, wie zunehmend Druck in ihr entsteht.

Wenn sie mit ihren Freundinnen zusammensitzt und wieder einmal über Schwangerschaften, Kinderzimmer oder Elternzeit gesprochen wird, denkt sie:

„Vielleicht sollte ich jetzt auch langsam mal anfangen.“

„Was, wenn irgendwann alle Kinder haben und ich ganz alleine dastehe?“

„Vielleicht verpasse ich etwas, wenn ich mich nicht bald entscheide.“


Sie merkt, wie sehr sie sich von den Entscheidungen ihrer Freundinnen beeinflussen lässt.

Dabei möchte sie doch eigentlich herausfinden, was sie selbst will.


Anna kennt dieses Muster von sich: Die Meinung anderer Menschen bekommt manchmal mehr Gewicht als ihre eigenen Bedürfnisse.

Und sie möchte das gerne verändern.

Wie könnte sie jetzt vorgehen?


4. Top-down: Dein eigenes Verhalten besser verstehen

Ein klassischer Zugang im Coaching ist es, über Fragen, Reflexion und neue Perspektiven ein tieferes Verständnis für unser Verhalten zu entwickeln.


Diesen Weg können wir vereinfacht als Top-down-Ansatz beschreiben: Wir nutzen unser bewusstes Denken, um unser Erleben und Verhalten besser einzuordnen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Anna könnte sich beispielsweise folgende Fragen stellen:


Wann genau wird mein Muster ausgelöst?

Vielleicht bemerkt sie, dass sie sich besonders im Freundeskreis von anderen beeinflussen lässt. Im Beruf hingegen fällt es ihr leicht, eigene Entscheidungen zu treffen.


Welche Gedanken entstehen in diesen Situationen?

„Wenn alle Kinder bekommen, gehöre ich irgendwann vielleicht nicht mehr richtig dazu.“


Woher kenne ich dieses Muster aus meinem Leben?

Vielleicht erinnert sie sich daran, dass Zugehörigkeit schon in ihrer Jugend eine große Rolle gespielt hat.


Welchen guten Grund könnte mein Verhalten haben?

Vielleicht versucht sie durch die Orientierung an anderen, Sicherheit und Verbundenheit zu bewahren.


Was ist mir selbst eigentlich wichtig?

Vielleicht erkennt Anna, dass sie nicht unbedingt jetzt ein Kind möchte, sondern vor allem Angst hat, den Anschluss an ihre Freundinnen zu verlieren.

Durch diese Fragen kann Anna ihr Verhalten besser verstehen.


Sie erkennt möglicherweise, dass es bei ihrem inneren Druck nicht ausschließlich um Familienplanung geht, sondern auch um die Angst, Zugehörigkeit zu verlieren.

Das ist eine wichtige Erkenntnis.


Aber was passiert, wenn sie beim nächsten Treffen wieder zwischen ihren Freundinnen sitzt und das Gespräch erneut auf Kinder kommt?

Vielleicht ist der Druck sofort wieder da.

Denn etwas zu verstehen bedeutet nicht automatisch, dass wir in einer emotional herausfordernden Situation auch anders handeln können.


Und genau hier wird der zweite Ansatz interessant.


5. Bottom-up: Was passiert eigentlich in deinem Körper?


Beim Bottom-up-Ansatz richten wir unsere Aufmerksamkeit stärker auf das unmittelbare Erleben: auf Körperempfindungen, Gefühle und die Reaktionen unseres Nervensystems.

Denn unser Verhalten wird nicht nur durch bewusste Gedanken beeinflusst.

Auch körperliche Anspannung, emotionale Reaktionen und eingeübte Reaktionsmuster können eine wichtige Rolle spielen.

Kehren wir zu Anna zurück.


Beim nächsten Treffen mit ihren Freundinnen bemerkt sie plötzlich einen Druck in der Brust.

Ihr Hals fühlt sich eng an. Vielleicht entsteht ein kleiner Kloß im Hals. Sie wird unruhig.

Und noch bevor sie richtig darüber nachgedacht hat, sagt sie:


„Ja, wir müssen uns jetzt wahrscheinlich auch langsam mal Gedanken über Kinder machen.“

Obwohl sie das eigentlich noch gar nicht so empfindet.

Wenn Anna jetzt beginnt, ihre körperlichen Reaktionen bewusster wahrzunehmen, kann sie sich fragen:


Woran merke ich in meinem Körper, dass mein altes Muster gerade aktiviert wird?

Ist es ein Druck in der Brust? Eine Enge im Hals? Ein flauer Magen?


Welches Gefühl ist damit verbunden?

Vielleicht Angst. Unsicherheit. Traurigkeit. Oder die Sehnsucht, weiterhin dazuzugehören.


Was möchte ich in diesem Moment am liebsten tun?

Vielleicht sofort zustimmen, mich anpassen oder die Unsicherheit möglichst schnell loswerden.


Kann ich dieses Gefühl für einen Moment wahrnehmen, ohne sofort darauf reagieren zu müssen?


Vielleicht gelingt es Anna, einen Augenblick innezuhalten.

Sie spürt die Enge in ihrer Brust und bemerkt die Angst, irgendwann nicht mehr dazuzugehören.


Anstatt diese Angst sofort wegzudrücken oder ihr automatisch zu folgen, versucht sie, ihr mit etwas Offenheit zu begegnen.


„Ah, da ist wieder diese Angst. Die Angst, nicht mehr dazuzugehören.“

Sie muss das Gefühl nicht mögen. Und sie muss es auch nicht sofort verändern.

Aber sie kann beginnen, es bewusst wahrzunehmen.

Und damit entsteht möglicherweise etwas Neues.


6. Nachhaltige Veränderung: Verstehen, spüren und bewusst entscheiden

Jetzt kommen beide Ansätze zusammen.

Durch die gedankliche Reflexion hat Anna verstanden, dass ihre Unsicherheit nicht nur mit ihrem möglichen Kinderwunsch zu tun hat, sondern auch mit ihrem Bedürfnis nach Zugehörigkeit.


Durch die Körperwahrnehmung erkennt sie zunehmend, wann dieses Muster in ihr aktiviert wird.


Sie bemerkt die Enge in der Brust. Die aufkommende Angst. Den Impuls, sich anzupassen.

Und genau in diesem Moment kann sich ein kleiner Raum zwischen Reiz und Reaktion öffnen.


Ein Raum, in dem Anna sich fragen kann:

„Wie möchte ich jetzt eigentlich damit umgehen?“

Vielleicht entscheidet sie, dass sie heute noch keine Antwort auf die Frage nach ihrem Kinderwunsch braucht.

Vielleicht möchte sie sich unabhängig von ihren Freundinnen bewusster mit ihren eigenen Wünschen und Lebensvorstellungen beschäftigen.

Vielleicht möchte sie beim nächsten Treffen offen sagen:


„Ich freue mich total für euch. Aber ich bin selbst noch gar nicht sicher, ob ich Kinder möchte.“


Oder sie bemerkt, dass sie gerade etwas mehr Abstand von den ständigen Gesprächen über Familienplanung braucht, um wieder besser mit ihren eigenen Bedürfnissen in Kontakt zu kommen.


Das Entscheidende ist:

Anna muss nicht erst ihre Angst vollständig loswerden, bevor sie anders handeln darf.


Sie kann lernen, ihre Angst wahrzunehmen und trotzdem eine Entscheidung zu treffen, die zu ihr und ihren eigenen Werten passt.


Und genau darin liegt für mich eine wichtige Grundlage nachhaltiger persönlicher Veränderung.

Nicht darin, nie wieder Angst zu haben.

Nicht darin, dass alte Muster von heute auf morgen verschwinden.

Sondern darin, dass wir zunehmend bewusster erkennen, was gerade in uns passiert, und mehr Freiheit gewinnen, wie wir darauf reagieren möchten.


7. Und jetzt zurück zu dir

Vielleicht hast du beim Lesen schon an dein eigenes Muster gedacht.

An die Situationen, in denen du eigentlich anders reagieren möchtest und es dir trotzdem immer wieder schwerfällt.

Ich möchte dich zum Abschluss zu einer kleinen Reflexion einladen.

Schau noch einmal auf die Verhaltensweise, die du am Anfang dieses Beitrags ausgewählt hast.

Frage dich:


  1. Verstehen: Was weiß ich inzwischen über mein Muster? Wann wird es ausgelöst, welche Gedanken begleiten es und welche Funktion könnte es für mich haben?

  2. Spüren: Woran erkenne ich körperlich und emotional, dass dieses Muster gerade aktiv wird?

  3. Innehalten: Was könnte mir helfen, in solchen Momenten nicht sofort automatisch zu reagieren?

  4. Neu entscheiden: Wie würde ich mich gerne verhalten, wenn ich mich stärker an meinen eigenen Bedürfnissen und Werten orientieren würde?


Vielleicht magst du dir für die kommende Woche eine konkrete Situation vornehmen, in der du dein Muster einmal bewusst beobachten möchtest.


Nicht mit dem Anspruch, sofort alles anders machen zu müssen.

Sondern zunächst einmal mit Neugier.

Denn Veränderung beginnt manchmal genau dort, wo wir aufhören, gegen uns selbst anzukämpfen, und anfangen, uns etwas genauer kennenzulernen.


Mein Fazit: Nachhaltige Veränderung braucht mehr als gute Erkenntnisse


Ich bin überzeugt, dass wir für nachhaltige persönliche Entwicklung verschiedene Zugänge brauchen.


Wir brauchen unseren Verstand, um Zusammenhänge zu erkennen, Muster zu verstehen und neue Perspektiven zu entwickeln.


Aber wir brauchen auch den Kontakt zu unseren Gefühlen und unserem Körper, um wahrzunehmen, was in den entscheidenden Momenten tatsächlich in uns geschieht.

Und schließlich brauchen wir die Möglichkeit, neue Verhaltensweisen auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und diese Schritt für Schritt in unseren Alltag zu integrieren.


Top-down und Bottom-up sind dabei keine Gegensätze. Sie können sich gegenseitig ergänzen.


Genau diese Verbindung prägt auch meine Arbeit als Coach und Achtsamkeitslehrer – und bildet einen zentralen Bestandteil unserer Ausbildung zum systemischen Coach mit Schwerpunkt Achtsamkeit, Neuropsychologie und Selbsterfahrung.


Denn ich möchte Menschen nicht nur dabei unterstützen, sich selbst besser zu verstehen.

Ich möchte sie dabei begleiten, Veränderung auch wirklich zu erleben und im eigenen Leben umzusetzen.


Du möchtest mehr über diesen Ansatz erfahren?

Dann entdecke unsere Coaching-Ausbildung oder komm zu einem unserer kostenfreien Infoabende. Dort erfährst du, wie wir systemisches Coaching, Achtsamkeit und Selbsterfahrung miteinander verbinden.

 
 
 

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